20.09.2019 — New York (IPS/afr). Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) möchte die sonnenreiche Sahelzone in ein riesiges Kraftwerk für Solarenergie verwandeln. Das ehrgeizige Projekt mit dem Titel “Desert to Power Initiative” soll die natürlichen Ressourcen des semiariden Gürtels zwischen Atlantik und Indischem Ozean erschließen.
Die “Desert to Power Initiative” zielt darauf ab, bis ins Jahr 2025 zehn Gigawatt Solarenergie zu erzeugen. Damit soll Strom für rund 250 Millionen Menschen bereitgestellt werden. Bislang haben 64 Prozent der Bevölkerung in der Sahelzone überhaupt keinen Zugang zu Elektrizität.

Die Sahelzone erstreckt sich über 6.000 Kilometer – vom Senegal im Westen bis nach Eritrea im Osten. Der semiaride Gürtel mit einer Breite von bis zu 800 Kilometern grenzt an die Sahara im Norden und Trocken- und Feuchtsavannen im Süden.

Für die AfDB stellt die unzureichende Stromversorgung in der Sahelzone ein erhebliches Hindernis für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung dar. Beim G5-Sahel-Gipfel in Ouagadougou am 13. September 2019 wies AfDB-Präsident Akinwumi Adesina auf das Paradoxon hin, dass eine der sonnenreichsten Regionen der Welt kaum elektrifiziert sei.

“Die Zusammenarbeit und der grenzüberschreitende Handel mit Energie sind für eine langfristige Versorgungssicherheit angesichts der Herausforderungen des Klimawandels entscheidender denn je”, sagte Adesina anlässlich des Gipfels in der burkinischen Hauptstadt.

Pilotprojekt Yeleen in Burkina Faso

Der AfDB-Chef lobte die Initiativen des Gastlandes Burkina Faso und hob das Solarprojekt Yeleen als beispielgebend hervor. Das auf knapp sieben Jahre angelegte Pilotprojekt der “Desert to Power Initiative” will einen Stromzugang für mehr als 900.000 Menschen in ländlichen Regionen ermöglichen – das entspricht fast fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von Burkina Faso. Die jährliche Einsparung von CO2-Emissionen soll 15.500 Tonnen betragen.

Yeleen wird vor allem aus Mitteln des AfDB-Entwicklungsfonds, dem Green Climate Fund (GCF) und der Europäischen Union finanziert. Die Gesamtprojektkosten betragen rund 60 Millionen US-Dollar.

Burkina Faso zählt zu den ärmsten Ländern der Sahelzone und leidet besonders stark unter dem Klimawandel. Wetterextreme wie Hitzewellen mit Dürren und katastrophale Überschwemmungen wechseln sich immer häufiger ab.

Mit einer installierten Leistung von nur 285 Megawatt sind in Burkina Faso drei Millionen Haushalte ohne Strom. Laut AfDB kostet die Energiearmut in Afrika jährlich zwei bis vier Prozent der Wirtschaftsleistung des Kontinents.

“Energie ist das Fundament des menschlichen Lebens – unser gesamtes System hängt davon ab. Für Afrika ist die Bereitstellung und Sicherung von nachhaltiger Energie derzeit das Rückgrat des Wirtschaftswachstums”, sagt Magdalena J. Seol von der “Desert to Power Initiative”.

“Die Initiative wird der Bevölkerung viele Vorteile bringen”, verspricht Seol. “Sie wird die Erschwinglichkeit von Elektrizität für Haushalte mit niedrigem Einkommen verbessern und es den Menschen ermöglichen, von unsicheren und gesundheitsgefährdenden Energiequellen wie Kerosin Abstand zu nehmen.”

Afrika hat Riesenpotenzial an grüner Energie

Die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) betont, dass Afrika weltweit eine Pionierrolle bei der Erzeugung grüner Energie einnehmen könnte. Es existiert ein beinahe unbegrenztes Potenzial an Solarkapazität (10 TW), reichlich vorhandener Wasserkraft (350 GW), Windkraft (110 GW) und geothermischen Energiequellen (15 GW).

In den letzten Jahren sind auf dem Kontinent bereits Großprojekte zur Erzeugung von Solarenergie realisiert worden. Das Kraftwerk Ouarzazate in Marokko gilt als größter Solarkomplex der Welt.

Die Anlagen Noor I, II und III, die zwischen 2016 bis 2018 in Betrieb gegangen sind, verfügen über eine installierte Kapazität von 510 Megawatt. Allein im Jahr 2018 konnten 217.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Der Solarpark Noor IV befindet sich derzeit in Planung und soll zusätzliche 50 Megawatt liefern.

In Südafrika hat die AfDB und der von der Weltbank verwaltete “Climate Investment Funds” die Windfarm Sere 300 Kilometer nördlich von Kapstadt mitfinanziert. Aus 46 Turbinen werden 106 Megawatt für 124.000 Haushalte geliefert. Berechnet auf die Lebensdauer von 20 Jahren soll die CO2-Einsparung bei sechs Millionen Tonnen liegen. (Ende)

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