26.09.2020 — Kampala (IPS/afr). In der Nähe von Mpigi, einer Kleinstadt ca. 40 Kilometer westlich der ugandischen Hauptstadt Kampala, steht ein ganz spezielles Dorf: Die Häuser wurden aus Plastikflaschen errichtet. Die umweltfreundliche Idee gewinnt immer mehr Anhänger.

Uganda hat ein riesiges Müllproblem. Allein in der Hauptstadt Kampala fallen jährlich mehr als 350.000 Tonnen an festen Abfallstoffen an. Zumindest die Hälfte davon wird einfach im Freien entsorgt. Plastikflaschen liegen überall neben den Straßen, nicht selten verstopfen sie die Entwässerungsrinnen.

Die “Social Innovation Academy” (SINA) hat den Müllbergen den Kampf angesagt. Etwas außerhalb von Mpigi liegt das Projektdorf Sina, das aus Plastikflaschen errichtet wurde. Dazu wurden handelsübliche Flaschen prall mit Erde gefüllt und verbaut.

Drei Millionen Plastikflaschen für 117 Häuser

David Monday arbeitet als Baumeister und Trainer bei SINA. Seit mehr als fünf Jahren errichtet er bereits Gebäude aus Plastikflaschen. Den Ausschlag gab ein Bericht aus Nigeria, wo bereits seit dem Jahr 2011 Flaschenhäuser gebaut werden. “Und so haben wir damit begonnen, Flaschen und Reifen zu sammeln und daraus ökologische Bausteine zu machen”, erzählt er.

Monday hat aber auch ein persönliches Motiv für sein Engagement: Sein jüngerer Bruder verschwand, als er einen Sumpf zu durchqueren versuchte. Eine Suchaktion blieb stundenlang erfolglos. Schließlich wurde sein lebloser Körper unter einem Berg aus Plastikflaschen gefunden.

Für den Bau von bislang 117 Häusern wurden rund drei Millionen Plastikflaschen verarbeitet. Für Monday können die Flaschenhäuser auch einen wertvollen Beitrag zur zunehmenden Wohnungsnot in Uganda leisten. Nach Angaben des “Uganda Bureau of Statistics” weist das Land derzeit ein Defizit von 2,1 Millionen Wohneinheiten auf. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2030 voraussichtlich über fünf Millionen Wohnungen fehlen.

In Kamwokya, einer informellen Siedlung in Kampala, errichtet eine Gruppe junger Menschen rund um das “Ghetto Research Lab” ebenfalls Häuser aus Plastikflaschen. Rehema Naluekenge ist von der Lösung überzeugt: “Die Gebäude erweisen sich als recht langlebig. Wir haben bislang keine Risse gesehen”, erzählt sie. “Unser Geschäftsführer sagt uns immer, dass Abfall nur dann Abfall ist, wenn wir ihn verschwenden.”

 Behörden hinken nach

Auch im Bezirk Mukono in Zentral-Uganda setzt der Highschool Lehrer Allan Obbo auf Flaschenhäuser. Eine Reihe von Cottages seiner Hotelnlage “Bottle Garden Resort” sind aus Plastikflaschen errichtet worden.

“Studien haben ergeben, dass Kunststoffe sehr gefährlich für die Umwelt sind”, sagt Obbo. “Schauen Sie sich doch unsere Seen an, die Gewässer sind voll davon. Forschungen zeigen, dass der Abbau einer Plastikflasche 300 Jahre dauert. Der Müll hat einen großen Nutzen, wenn er als Baustoff verwendet wird.”

Obbo weist auf einen noch einen anderen Vorteil hin. “Die Flaschen sind ohnehin schon da. Für die Herstellung von Ziegeln werden aber häufig Bodenflächen verbraucht, die dann für die Landwirtschaft fehlen. Außerdem werden für Baustellen viele Bäume gefällt.”

Der Lehrer zeigt sich aber enttäuscht, dass die Behörden in städtischen Gebieten die Plastikflaschen als Baustoff nicht genehmigen. Das bestätigt auch die Architektin Patricia Kayongo, Geschäftsführerin der in Kampala ansässigen “Dream Architects Ltd.” Sie erklärt, dass das zuständige Normungsinstitut Plastikflaschen als Baustoff bislang nicht getestet hat und daher keine Bewilligungen erteilt.

“Das bedeutet aber, dass den Menschen Möglichkeiten für den günstigen Hausbau genommen werden”, kritisiert Kayongo. Damit würde auch eine Chance zur Bekämpfung der Wohnungsnot verpasst. “Die Wiederverwertung von Materialien wie Glas und Kunststoff eignet sich gut für den Bau.” (Ende)

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