23.11.2016 — Kwazulu-Natal (IPS/afr). Während der schwersten Dürre der letzten 35 Jahre hat die Bäuerin Bongekile Ndimande aus dem Dorf Njunjana in der Provinz Kwazulu-Natal 30 Rinder verloren. Der finanzielle Schaden ist enorm und beträgt 21.000 US-Dollar. Nur Ndimandes Ziegenherde ist mit der Trockenheit gut zurechtgekommen und sichert ihrer Familie ein regelmäßiges Einkommen.

70 Prozent der Bevölkerung im südlichen Afrika leben von der Landwirtschaft. Mehr als 40 Millionen Menschen in der Region sind von der Dürrekatastrophe betroffen. Bis Ende Juli sind nach FAO-Angaben allein in Botswana, Namibia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland 640.000 Nutztiere der Dürre zum Opfer gefallen.

In der südafrikanischen Provinz Kwazulu-Natal steigen Bauern zunehmend auf die Haltung von Ziegen um, die sich während Dürren als wesentlich robuster wie Rinder erweisen. Aber Bäuerinnen wie Ndimande brauchen Unterstützung, um sich an die extremen Wetterereignisse anzupassen und die Ernährungs- und Einkommenssicherheit für ihre Familie zu sichern.

Umdenken in der Landwirtschaft gefordert

Initiativen wie die Adaptation of African Agriculture, die von 28 afrikanischen Ländern getragen wird, standen daher im Mittelpunkt der UN-Klimakonferenz in Marrakesch (COP22), die vom 7. bis 18. November stattfand. “Eine Transformation der Landwirtschaft ist angesichts der Klimawandels von wesentlicher Bedeutung, um Hunger und Armut zu bekämpfen”, meinte José Graziano da Silva, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, im Vorfeld des Klimagipfels.

Fast alle afrikanischen Länder hätten bereits die Landwirtschaft in ihre nationalen Klimaaktionspläne aufgenommen, sagt Bruce Campbell, Direktor des Forschungsprogramms für Klimawandel, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit der Beratungsgruppe CGIAR. Campbell unterstreicht das massive Risiko, das vom Klimawandel auf die Nahrungsmittelsicherheit und das Wirtschaftswachstum des Kontinents ausgeht.

Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) müssten in den nächsten zehn Jahren zwischen 315 und 400 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden, um die notwendigen landwirtschaftlichen Anpassungen in Afrika zu implementieren. Als einer der wesentlichen Pfeiler gilt dabei die Diversifizierung der Viehwirtschaft.

Erfolgreiches Ziegenprojekt in Kwazulu-Natal

Der teilweise Umstieg von Rindern auf Ziegen hat Bongekile Ndimande jedenfalls vor einer Katastrophe bewahrt. Vor drei Jahren hat sie sich eine Herde von 30 Tieren zugelegt, die mittlerweile auf 57 Ziegen und 15 Jungtiere angewachsen ist.

Im vergangenen Jahr verkaufte sie sechs Ziegen zu einem Durchschnittspreis von je 67 US-Dollar und investierte den Erlös in ein Ziegelhaus mit drei Zimmern. Ndimande hat dabei von einer Initiative profitiert, die ihr durch ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm eine profitable Ziegenhaltung ermöglicht hat.

Das Mdukatshani Rural Development Project (MRDP)  ist eine mit fünf Millionen US-Dollar dotierte Partnerschaft zwischen dem Department of Rural Development and Land Reform, dem KwaZulu-Natal Department of Agriculture and Rural Development und der Hilfsorganisation HPSA. Ziel des Projekts ist es, die Anzahl der Ziegen in Kwazulu-Natal binnen fünf Jahren zu verdoppeln.

Frauen im Mittelpunkt

Das MRDP will vor allem Frauen zur Ziegenzucht bringen, weil sie einerseits die Hauptrolle bei der Ernährung ihrer Familien spielen und andererseits Ziegen einfacher zu hüten sind als Rinder. Insgesamt sollen 7.000 Bäuerinnen in der Ziegenhaltung ausgebildet werden. Bongekile Ndimande ist froh, Teil des Projekts zu sein: “Die Ziegen haben mir zu Nahrung und Einkommen verholfen. Im Gegensatz zu Rindern kann ich sie in kurzer Zeit zu verkaufen.”

Mittlerweile würden sich aber auch immer mehr Männer für die Ziegenhaltung interessieren, sagt MRDP-Direktor Rauri Alcock. “Bauern, die ihre Rinder verloren haben, steigen zunehmend auf Ziegen um. Die Tiere sind belastbarer und kommen in der sich verändernden Umwelt besser zurecht.”

Der Landwirt Sikhumbuzo Ndawonde war Stahlarbeiter in Johannesburg, bis seine Stelle abgebaut wurde. Nun setzt er auf die Aufzucht von Ziegen, um seine Familie zu ernähren. Ndawonde hat derzeit 33 Ziegen in seinem Besitz, pro Jahr will er zehn Tiere verkaufen. “Ich esse selbst kein Ziegenfleisch”, erzählt der 46-Jährige. “Aber ich liebe es, sie zu halten, weil ich mit ihnen ein gutes Einkommen erzielen kann.” (Ende)

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