01.02.2017 — Pemba/Salzburg. Nach der schweren Dürre des Vorjahres bahnt sich im südlichen Afrika die nächste Katastrophe für die Landwirtschaft an. In der Region breitet sich ein Schädling namens Heerwurm rasant aus. Heimat des gefräßigen Insekts ist der amerikanische Kontinent.

Das Farmland von Surrender Hamufuba (48) im Dorf Mwanamambo im Bezirk Pemba im Süden Sambias wurde bereits von den Heerwürmen heimgesucht. Von seinen fünf Hektar Anbaufläche ist ein Hektar den Schädlingen zum Opfer gefallen.

Hamufuba macht das vermehrte Auftreten von Heerwürmern große Sorgen – erst 2012 hatte er mit der Plage zu kämpfen. Über die Gründe kann der 48-jährige Bauer nur spekulieren: “Ich bin mir nicht sicher, warum es in den letzten Jahren zu einer erhöhten Häufigkeit des Schädlingsbefalls gekommen ist. Vielleicht sind die Klimaveränderungen daran schuld.”

Enorme Schäden

Im ganzen Land haben die Larven des Heerwurms, der zur Familie der Eulenfalter zählt, enorme Schäden verursacht. Laut Landwirtschaftsministerin Dora Siliya wurden mindestens 124.000 Hektar Mais vernichtet – das sind knapp zehn Prozent der gesamten Maisanbaufläche.

Noch schlimmer erwischt hat es den Nachbarstaat Simbabwe: Dort sind nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN, der sich auf Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beruft, sieben von acht Regionen betroffen. In manchen Gegenden soll der Heerwurm 70 Prozent aller Maispflanzen zerstört haben.

Die Raupeninvasion ist schwer zu bekämpfen. Die Regierung Sambias hat 87.000 Liter an Pestiziden angekauft, die u. a. mit Militärflugzeugen in den betroffenen Gebieten ausgebracht wurden. Laut Patrick Kangwa, nationaler Koordinator der Katastrophenschutzbehörde DMMU , sei es dadurch gelungen, die Lage “unter Kontrolle” zu bringen.

Amerikanische Herkunft

Heerwürmer sind Wanderschädlinge, die überfallsartig ganze Landstriche zerfressen. Sie ernähren sich von jungen Maispflanzen, verzerren aber auch Getreidearten wie Weizen, Reis und Hirse. Auch das für die Viehzucht wichtige Weideland bleibt vor den Larven nicht verschont.

Es gibt mehrere Gattungen von Heerwürmen, auf dem Kontinent ist der Afrikanische Heerwurm (Spodoptera exempta) beheimatet. Dieses Insekt war für die Schäden in Sambia während des letzten großen Befalls im Jahr 2012 verantwortlich.

Bei der aktuellen Schädlingsplage in Sambia stellt sich die Situation aber gänzlich anders dar: Hier tritt vor allem der Herbst-Heerwurm (Spodoptera frugiperda) auf, der in Nord- und Südamerika verbreitet ist.

Die gefräßigen Raupen des Herbst-Heerwurms stammen aus Amerika (Bild: Public Domain, Canadian Biodiversity Information Facility, Wikipedia)

Wie der Schädling seinen Weg ins südliche Afrika fand, ist für die Wissenschaft bislang noch ein Rätsel. Das erste Auftreten des Herbst-Heerwurms auf afrikanischem Boden wurde in der ersten Hälfte des Jahres 2016 in Nigeria protokolliert.

Unter Verdacht stehen deshalb u. a. Importe von Nahrungsmitteln und Pflanzen. Dass der Falter die mindestens 3.000 Kilometer über den Atlantik von Südamerika nach Westafrika im Flug zurückgelegt hat, gilt indes als unwahrscheinlich.

Ist der Klimawandel schuld?

Wissenschaftlern bereitet das immer häufigere Auftreten von Heerwurm-Plagen in Afrika Kopfzerbrechen. Donald Zulu, Forscher an der Copperbelt University in Kitwe, gibt der Vermutung von Landwirt Surrender Hamufuba Recht und sieht einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.

“Ausbrüche von Heerwürmern sind in hohem Maße von saisonalen Mustern des Windes und des Niederschlags abhängig”, sagt der Forscher, “mit der globalen Erwärmung wird sich das Wetter in Afrika weiter verändern.”

Eine ähnliche Auffassung vertritt Ken Wilson von der britischen Lancaster University, der sich seit 25 Jahren mit Heerwürmern beschäftigt: “Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Klimawandel die Häufigkeit des Vorkommens dieser Schädlinge beeinflusst”, meint der Experte.

“Der Heerwurm ist auf die Wetterbedingungen angewiesen”, erklärt Wilson, “er ernährt sich von Getreide und Gräsern, die wiederum auf die Menge des Niederschlags angewiesen sind. Das Muster der Ausbrüche hängt stark vom Auftreten und der Häufigkeit von regnerischen Stürmen ab.”

Der Wissenschaftler schränkt aber ein, dass es nicht einfach sei, eine Beziehung zwischen der Heerwurm-Katastrophe und dem Klimawandel herzustellen: “Wir haben keine sehr guten Daten und Informationen, um diese Hypothese zu validieren.”

Frühwarnsysteme sollen helfen

Das Hauptproblem bei der Bekämpfung von Heerwürmern ist, dass die Bauern einen Befall in der Regel zu spät bemerken. Die Raupen fressen in Windeseile – bei ihrer Entdeckung ist zumeist bereits erheblicher Schaden entstanden.

Für Desmond Zulu braucht es deshalb langfristige und integrierte Ansätze, die auf länderübergreifenden Überwachungs- und Frühwarnsystemen basieren. Ein solches Warnsystem besteht etwa aus einem dichten Netz an Pheromonfallen, die männliche Falter mit dem künstlichen Duft von weiblichen Heerwürmern anziehen.

In Verbindung mit lokalen Wetterberichten kann die Anzahl der gefangenen Falter ein bevorstehende Invasion prognostizieren. Dadurch sollen sich Bauern besser auf einen möglichen Befall vorbereiten und ihre Pflanzen rechtzeitig kontrollieren können. (Ende)

Themen zu diesem Beitrag: