02.05.2018 — London (IPS/afr). Seit 5. April ist im “Victoria and Albert Museum” in London die Ausstellung Maqdala 1868 zu sehen. Dort werden Kunstschätze aus Äthiopien gezeigt, die von den Briten vor 150 Jahren geplündert wurden. Die Ausstellung hat die Debatte um die Rückführung von Raubkunst aus Afrika neu entfacht.
Die Schlacht von Maqdala ereignete sich zwischen dem 9. und 13. April 1868. Die siegreichen Briten plünderten in der Folge die Bergfestung Maqdalades äthiopischen Kaisers Tewodros II. – das gesamte Ausmaß der gestohlenen Kunstschätze ist bis heute nicht bekannt. Fest steht, dass heute allein in der British Library rund 350 äthiopische Handschriften zu finden sind.

Die äthiopische Regierung verlangt nun die Rückgabe der Artefakte aus Maqdala. Das V&A Museum hat eingelenkt und angeboten, die Kunstgegenstände Äthiopien als langfristige Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Doch das geht Addis Abeba nicht weit genug.

Zäher Kampf um Rückführung

Der bekannte britische Äthiopist Richard Pankhurst (1927-2017) hat sich bis zu seinem Ableben im letzten Jahr für eine Rückführung von Raubkunst aus Äthiopien eingesetzt. Als Mitglied der Association for the Return of the Ethiopian Maqdala Treasures (AFROMET) galt sein Hauptaugenmerk den äthiopischen Manuskripten in der “British Library”.

“Es ist allgemein nicht bekannt, was passiert ist”, sagte Pankhurst vor seinem Tod. “Die Soldaten konnten aus den besten Kunstschätzen wählen, die Äthiopien zu bieten hat. Die meisten Äthiopier haben noch nie Manuskripte in dieser Qualität gesehen.”

In Maqdala befand sich die wohl größte Sammlung einzigartiger äthiopischer Kunstschätze. Kaiser Tewodros II. hatte im ganzen Land nach den schönsten Handschriften suchen lassen. Er wollte sie in einer Kathedrale und in einer Bibliothek ausstellen lassen, die eigens für diesen Zweck errichtet werden sollte.

In Großbritannien ist eine dauerhafte Rückgabe derzeit allerdings kein Thema. Britische Kunstexperten äußerten ihre Besorgnis darüber, dass die wertvollen Artefakte in Äthiopien nicht sachgemäß behandelt werden könnten.

“Es ist wahr, dass das Niveau der Pflege und der Qualität in Großbritannien viel besser ist als bei uns”, sagt Andreas Eshete, ehemaliger Präsident der Universität von Addis Abeba. “Aber wenn Sie ins Institut für Äthiopische Studien kommen, wo wir einige Kunstschätze aus Maqdala haben, werden Sie sehen, wie gut wir diese aufbewahren und sie der Öffentlichkeit präsentieren.”

Eshete, der ein Mitbegründer von AFROMET ist, sieht zur Rückgabe der Kunstschätze keine Alternative: “Diese Manuskripte zählen zu den besten der Welt und gehören zu den ältesten Beispielen indigener Manuskripte in Afrika. Sie müssen hier sorgfältig von Historikern analysiert werden.”

Befreiungsmission mit 32.000 Soldaten

Kaiser Tewodros II. war zunächst ein großer Bewunderer von Großbritannien gewesen. Er hatte gehofft, dass ihn Königin Victoria bei der Entwicklung Äthiopiens unterstützen würde.

Doch nachdem die Königin auf einen Brief des Kaisers nicht reagiert hatte, ließ er eine Handvoll britischer Diplomaten festnehmen. In der Folge unternahm General Robert Napier mit 32.000 Soldaten eine Befreiungsmission, die als Schlacht von Maqdala in die Geschichtsbücher Einzug hielt.

Am Ostermontag, dem 13. April 1868, hatten die Briten die Täler rund um Maqdala unter ihre Kontrolle gebracht. Der letzte Angriff auf die Bergfestung stand unmittelbar bevor. In der aussichtslosen Situation erschoss sich Tewodros II. mit einer Pistole, die er von Königin Victoria geschenkt bekommen hatte.

Die Restitution der Artefakte aus Maqdala liegt nicht in der Hand der öffentlichen Museen. Das britische Parlament müsste zuvor ein Gesetz verabschieden, das die Rückgabe der Kunstschätze erlaubt.

Erfolge bei Privatsammlern

Dennoch war der Kampf von AFROMET bislang nicht ganz erfolglos, wie Alula Pankhurst, der Sohn von Richard Pankhurst, bestätigt: “Obwohl Richard bei der British Library nicht erfolgreich war, kam es zur Rückerstattung von Kreuzen und Manuskripten aus Privatsammlungen.”Kürzlich habe sogar die Familie von General Napier eine Halskette und eine Pergamentrolle an das Institut für Äthiopische Studien in Addis Abeba gebracht.

Die Rückführung geplünderter Objekte aus Afrika wird in Europa und den Vereinigten Staaten seit Jahren diskutiert. Konkrete Regelungen ließen bislang auf sich warten. Das könnte sich allerdings aber bald ändern.

Bei seinem Staatsbesuch in Burkina Faso hat der französische Präsident Emmanuel Macron im November 2017 angekündigt, dass die Rückgabe afrikanischer Artefakte eine seiner Prioritäten sei. Binnen fünf Jahren sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass afrikanische Kunstschätze nach Afrika zurückkehren können. Macron forderte, dass “das afrikanische Kulturerbe in Paris, aber auch in Dakar, Lagos oder Cotonou zu Geltung komme.”

Der Plan des V&A Museums, die Schätze von Maqdala langfristig nach Äthiopien zu verleihen, stößt im Land selbst auf Ablehnung. “Bei der Rückgabe von äthiopischem Eigentum geht es darum, die Würde und Grundrechte Äthiopiens zu respektieren”, sagt etwa Kidane Alemayehu, MItbegründer des Horn of Africa Peace and Development Center. “Das Eigentum eines anderen Landes zu plündern und es dann dem rechtmäßigen Eigentümer zu leihen, sollte jedem Land, das sich selbst respektiert, die Schamesröte ins Gesicht treiben.” (Ende)

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