21.03.2020 — Abuja (IPS/afr). Nigeria, mit etwa 200 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas, hat bislang erst zwölf Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 verzeichnet. In seinem Kommentar erklärt der nigerianische Arzt Ifeanyi Nsofor, was sich Europa und die USA von seinem Heimatland abschauen können.

Nigeria hat sofort nach dem Auftreten des Coronavirus zum Jahreswechsel in China bemerkenswert reagiert. Zwar hat das Virus am 27. Februar auch uns erreicht. Allerdings wurden bis heute nur zwölf Fälle diagnostiziert. Und: Noch gibt es keinen Todesfall zu beklagen. (Stand: 21. März 2020, 9:00 Uhr. Für aktuelle Zahlen beachten Sie bitte unsere Statistikseite “Daten & Fakten: Das Coronavirus in Afrika“.)

Der Kampf gegen das Coronavirus wird vom “Nigeria Center for Disease Control” (NCDC) in Abuja geleitet. Die Regierung hat ihre Lehren aus dem Ebola-Krise von 2014 gezogen und die Gesundheitsvorsorge völlig neu aufgestellt.

Das NCDC muss derzeit allerdings auch an einer weiteren Front kämpfen. Seit Jahresbeginn tobt der bislang schwerste Ausbruch von Lassafieber, der bereits 161 Menschen das Leben gekostet hat. Die Bedrohung durch das hämorraghische Fieber ist derzeit höher als jene durch COVID-19: In Nigeria sterben derzeit 22 Prozent der diagnostizierten Fälle.

Der bis dato erfolgreiche Abwehrkampf meines Landes gegen das Coronavirus lässt sich in fünf Lektionen zusammenfassen:

  1. Staaten müssen krisenfreie Zeiten dafür nutzen, um Systeme zur Bekämpfung von Ausbrüchen zu etablieren. In Nigeria hat die NCDC seit dem Jahr 2017 den Aufbau von insgesamt 23 “Public Health Emergency Operations Centers” (PHEOCs) forciert. Die Zentren, die im ganzen Land verteilt sind, dienen als Knotenpunkte für die Kommunikation und für die Verteilung von Ressourcen.
  2. Länder müssen mit ihren Indexfällen transparent umgehen. Nigeria hat seinen Index-Fall rasch erkannt und gemeldet. Die Diagnose des erkrankten Italieners wurde am 27. Februar sofort der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Seitdem werden alle weiteren Details über den Verlauf der Ausbruchs sowie Maßnahmen zur Risikominimierung auf der Website der NCDC veröffentlicht.
  3. Nigeria hat rechtzeitig sein Diagnose-Netzwerk ausgebaut. Innerhalb weniger Wochen nach dem Ausbruch in China wurden vier Labors aufgerüstet, um mögliche Krankheitsfälle rasch zu erkennen. Diese Labors liegen an strategisch günstigen Standorten.
  4. Es braucht den politischen Willen, gut auf Epidemien vorbereitet zu sein. Die Arbeit des NCDC wurde im November 2018 durch die Unterzeichnung eines Gesetzes von Präsident Muhammadu Buhari gestärkt. Damit hat die Institution den staatlichen Auftrag erhalten, alle Maßnahmen bei beim Auftreten von Infektionskrankheiten und anderen Notfällen der öffentlichen Gesundheit zu koordinieren. Mit diesem Mandat verbunden war die Garantie, dass das NCDC 2,5 Prozent des “Basic Health Care Provision Fund” erhält. Das Finanzierungsinstrument war 2015 eingerichtet worden, um die gesundheitliche Grundversorgung im Land zu verbessern.
  5. Die aber vielleicht wichtigste Lektion: Nigeria achtet genau darauf, was außerhalb des eigenen Landes passiert. Infektionskrankheiten respektieren keine Grenzen. “Das Konzept, dass jedes Staat versucht, nur innerhalb seiner eigenen Grenzen Maßnahmen, ist völlige Zeitverschwendung”, sagt NCDC-Generaldirektor Chikwe Ihekweazu. Die globale Gesundheitssicherheit ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Maßnahmenpläne müssen international gedacht werden.

Natürlich benötigt auch Nigeria noch mehr Mittel, um gegen die nächste Krise noch besser gewappnet zu sein. Das NCDC hat jedoch gezeigt, dass es möglich ist, die Auswirkungen von Virus-Ausbrüchen zu begrenzen.

Andere Länder müssen das Rad bei der Bekämpfung dieser Coronavirus-Pandemie also nicht neu erfinden. Nigeria hat es geschafft, die Infektionen mit SARS-CoV-2 vorerst einzudämmen. Wir sind jederzeit bereit, die gewonnenen Erkenntnisse auszutauschen. (Ende)

Bitte beachten Sie: Die Ausbreitung des Virus entwickelt sich auch in Nigeria dynamisch. Tagesaktuelle Daten zur Ausbreitung des Coronavirus erhalten Sie auf unserer Statistikseite “Daten & Fakten: Das Coronavirus in Afrika“.

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