18.03.2016 — Rumuruti. Auf seinem halben Hektar Land baute Dickson Kamau zwei Jahrzehnte ausschließlich Mais an. In seiner Muttersprache Kikuyu bekam er deshalb den Spitznamen “Kamau wa Mbembe”, der sich als “Mais-Kamau” übersetzen lässt. Der Klimawandel hat seiner Landwirtschaft aber fast den Garaus gemacht. Durch die Umstellung auf klimasmarten Anbau konnte er seinen Betrieb retten.

“Das Maisgeschäft ist immer sehr gut gelaufen”, sagt Kamau. “Wir hatten reiche Ernten und der Gewinn war hoch genug, um meine Familie zu ernähren und allen meinen sieben Kindern eine universitäre Ausbildung zu ermöglichen.” Über die Jahre war Kamau zu einem der wichtigsten Maisversorger in seinem kleinen Dorf Rumuruti in Laikipia County geworden. Der Klimawandel brachte sein Maisgeschäft allerdings fast zum Erliegen.

Rumuruti liegt direkt am Äquator, fast 270 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi. In den letzten Jahren sind hier die Durchschnittstemperaturen stark angestiegen, Regen bleibt immer häufiger aus. Dazu kommen für die Bauern steigende Kosten für Dünger und Pflanzenschutzmittel.

Schwache Infrastruktur für die Bewässerung

“Besonders große Probleme hatten jene Bauern, die über keine ausreichenden Wasserspeicher verfügten”, sagt Mary Abukutsa-Onyano, Professorin für Gartenbauwirtschaft an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT), 36 Kilometer nordöstlich von Nairobi. Das gesamte Land leidet unter einer sehr schwachen Bewässerungsinfrastruktur. Regierungsstatistiken zeigen, dass nur ein Fünftel der Ackerflächen ausreichend bewässert werden können.

Dickson Kamau teilt das Schicksal vieler kenianischen Bauern, die wie er auf traditionellen Anbaumethoden vertraut hatten. Obwohl er früh erkannt hatte, dass er den Kurs wechseln muss, waren die Herausforderungen für ihn unüberwindbar. “Als ich mit der Landwirtschaft anfing, haben uns häufig Experten besucht und beraten”, erzählt er. “Aber mit der Zunahme der Bauern wurden die Besuche weniger und wir haben keine neuen Informationen mehr erhalten.”

Nach den Standards der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) soll eine Zahl von 400 Bauern durch einen Anbauexperten beraten werden. In Kenia kommen aber derzeit auf einen Experten 2.000 Bauern.

FAO fördert klimasmarten Anbau

Um dem Klimawandel die Stirn zu bieten, setzt die FAO auf die Förderung von klimasmarter Landwirtschaft. Das Ziel des von der FAO propagierten Ansatzes ist es, eine nachhaltige Ernährungssicherheit im Zeitalter des Klimahandels zu gewährleisten. Eine Steigerung landwirtschaftlichen Produktivität und der bäuerlichen Einkommen soll dabei Hand in Hand mit der Erhöhung der Widerstandskraft von Pflanzen und der Reduktion von Treibhausgasen gehen.

Auch Mary Abukutsa-Onyanog ist überzeugt, dass eine solche Initiative lebensnotwendig sei: “Die durch die wenig nachhaltige Landwirtschaft geringe Produktivität führt dazu, dass die Größe der durchschnittlichen Anbauflächen immer kleiner wird, da die Bauern Teile ihres Landes verkaufen”, meint die Universitätsprofessorin.

Statistiken der FAO belegen, dass die Landwirtschaft in Kenia eine herausragende Rolle spielt. Der Agrarsektor trägt 24 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Dazu kommen weitere 27 Prozent, die indirekt durch Verbindungen zu anderen Wirtschaftsbereichen entstehen. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung in Kenia arbeiten in der Landwirtschaft, in den ländlichen Gebieten sind es sogar über 70 Prozent. 65 Prozent der kenianischen Exporte sind dem Agrarsektor zuzurechnen.

Die FAO unterstützt die Bauern in mehreren Regionen, insgesamt arbeitet die UN-Organisation mit 3.000 Kleinbauern zusammen. Auch Dickson Kamau zählt zu den Begünstigten der FAO-Initiative. “Die Botschaft war klar”, sagt Kamau. “Wenn wir unseren traditionellen Anbaumethoden weiter nachhängen, dann wird der Klimawandel unsere Farmen zerstören.”

Lagerstätten steigern die Gewinne

Eine klimasmarte Landwirtschaft stimmt die agrarischen Aktivitäten genau auf die klimatischen Anforderungen einer Region ab. Im Fall von Kamau war es zunächst eine Umstellung auf zwei Ernten pro Jahr statt der bislang praktizierten Einmalernte. Den Vorteil der Umstellung erklärt Kamau so: “Wenn man nur einmal im Jahr erntet und durch schlechte Wetterbedingungen die Pflanzen nicht richtig wachsen, dann ist der Verlust nur schwer zu verkraften.”

Außerdem hat Kamau begonnen, auch andere Gemüsesorten anzubauen. “Viele von uns setzen in Ergänzung zum Mais auf Kartoffeln, ein 80-Kilo-Sack bringt bis zu 25 US-Dollar.” Im Vergleich dazu wird kann ein Sack Mais zwischen 13 und 15 US-Dollar verkauft werden.

Der Anbauexperte Patrick Muraguri weist daraufhin, dass die Bauern unbedingt Lagerstätten benötigen, um ihre Einkommen zu erhöhen. “Direkt nach der Ernte sind die landwirtschaftlichen Produkte natürlich am günstigsten. Ein oder zwei Monate nach der Ernte kann der Preis für einen Sack Mais auf 22 bis 35 US-Dollar steigen, für einen Sack Kartoffeln sogar auf 60 US-Dollar.”

Kamau gibt Muraguri Recht. “Ohne Lagermöglichkeiten müssen wir unsere Produkte in kürzester Zeit verkaufen. Wir überfluten den Markt mit den gleichen Erzeugnissen. Das drückt auf den Preis, so dass wir keinen Gewinn machen.” Die FAO-Initiative hat sich für die beteiligten Bauern bislang jedenfalls bezahlt gemacht: Durch die Anwendung der empfohlenen Methoden haben die Landwirte ihre Produktivität und auch ihren Gewinn verdoppeln können. (afr/IPS)

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